5 Anime zu Themen der japanischen Kultur
Für viele Japanfans sind Anime der erste Berührungspunkt mit der japanischen Kultur. Schließlich finden sich selbst in High School Dramen oder Romanzen aufgrund des Settings und der Erfahrungen der Produzenten viele Details des japanischen Alltags wieder. Aber selbst tiefergreifende kulturelle Aspekte wie traditionelle Spiele, Sportarten oder Kunstformen kannst du über Anime kennenlernen. Meine liebsten Anime mit Bezug zur japanischen Kultur stelle ich dir in diesem Artikel vor.

Anime sind fester Bestandteil der japanischen Popkultur und prägen ganze Viertel wie Akihabara. Neben dem Unterhaltungsfaktor können Anime auch Einblicke in die japanische Kultur vermitteln.
Chihayafuru – Traditionelles Kartenspiel Karuta
Durch einen Schulkameraden findet Chihaya in der Grundschule ihren großen Traum: Sie möchte im Kartenspiel Karuta die beste Spielerin Japans – und damit der ganzen Welt – werden. Dazu tritt sie zunächst einem Verein bei und gründet später in der High School einen Karuta Club. Dies ergibt für den Anime ein interessantes Setting mit Sportaspekten und vielen kulturellen Einblicken zum Inhalt und der Entstehung der Gedichte.
Neben dem Fokus auf Karuta bietet Chihayafuru insbesondere hervorragende Charaktere. Egal ob Rivale oder Teamkamerad, der Anime gibt jeder Figur klare Motive, hält dadurch Spiele spannend und sorgt für reichlich Drama. Mir persönlich gefällt auch der Soundtrack und das Artdesign sehr gut. Chihayafuru gehört insgesamt zu meinen absoluten Lieblingsanime – obwohl ich ursprünglich gar keine Ahnung von Karuta hatte.

Karuta wird gewöhnlich auf Tatami-Matten gespielt. Chihayas Team nimmt an Karuta-Wettbewerben in traditionellen Hakama teil.
3-gatsu no Lion – Shōgi, die japanische Schachvariante
Nachdem Tod seiner Eltern wird Rei in der Familie eines Shōgispielers großgezogen. Als er in Shōgi besser wird als seine Adoptivgeschwister, bauen sich in der Familie mehr und mehr Spannungen auf. Rei entschließt schließlich allein zu leben und sich durch Shōgi seinen Lebensunterhalt zu verdienen. In der Serie sieht man wie Rei seine Technik durch das Analysieren alter Spiele und Spielzüge verbessert. Zusätzlich erfährt man einiges über den Ablauf der Turniere und die interne Politik der Shōgivereine.
Abseits von Shōgi beschäftigt sich 3-gatsu no Lion besonders mit Reis psychischer Verfassung und seiner Beziehung zu anderen Charakteren. Zu Beginn des Animes startet Rei so mit einer tiefen Depression und man folgt seiner Entwicklung und langsamen Besserung. Der Anime scheut dabei auch vor dunklen Themen wie Kindesmisshandlung und Mobbing nicht zurück. Mich hat die Serie emotional sehr berührt, obwohl ich Shōgi nach wie vor eher uninteressant finde.

Bei 3-gatsu no Lion steht Reis Psyche im Vordergrund. So wird unter anderem die Darstellung der Shōgi-Szenen häufig abstrakt.
Hanayamata – Yosakoi, die moderne Interpretation traditioneller Tänze
Die amerikanische Austauschschülerin Hana ist riesiger Yosakoi-Fan. Daher ist es ihr ein besonderes Anliegen während ihrer Zeit in Japan einen Yosakoi Club zu gründen. Als erstes möchte sie dafür die schüchterne Naru überzeugen sich ihr anzuschließen und an einem Yosakoi Fest teilzunehmen.
Tatsächlich ist Hanayamata wohl der Anime auf dieser Liste, der am wenigsten Hitpotential hat. Viele Aspekte sind so recht Anime-typisch, aber er ist trotzdem knuffig und hat einige liebenswürdige Charaktere. Der Yosakoi-Anteil mit fröhlichen Songs und knuffigen Kostümen hat mich zudem super in seinen Bann gezogen.

Die niedlichen Yosakoi-Tänze und die Zusammenarbeit der Mädchen haben einige Ähnlichkeiten zu Idol-Animes.
Shouwa Genroku Rakugo Shinjuu – Rakugo, die Unterhaltungsform des Geschichtenerzählen
Im Gefängnis erlebt Yotarou eine Rakugo Aufführung mit und beschließt darauf sein Leben umzukrempeln, um Rakugo Künstler zu werden. Dabei macht ihm nicht nur seine kriminelle Vergangenheit zu schaffen, sondern auch, dass Rakugo neben modernen Unterhaltungsformen zusehends an Bedeutung verliert.
In der Serie werden viele verschiedene Rakugo Aufführungen im Detail dargestellt, so dass man einige der traditionellen Geschichten kennenlernt. Während man Yotarou bei der Ausbildung begleitet, erfährt man darüber hinaus viele Details zu den Techniken und Hintergründen des Rakugos. Zudem enthält die Serie viele Zeitsprünge und Rückblicke, die die Entwicklung Japans von den 30er bis in die Moderne widerspiegeln.
Shouwa Genroku Rakugo Shinjuu hat mich persönlich unglaublich überrascht. Obwohl das Prinzip von Rakugo mir zunächst recht unspektakulär erschien, sind die Geschichten voller Humor und werden unterhaltsam präsentiert. Zusätzlich gibt es einen starken weiblichen Charakter, der in der männlichen Domäne des Rakugo nach Anerkennung sucht, was ziemlich meinen Geschmack getroffen hat.

In Shouwa Genroku Rakugo Shinjuu sieht man verschiedene Rakugo Aufführungen und lernt einige Geschichten kennen.
Shirobako – Projektmanagement in der Animeindustrie
Nachdem Miyamori und ihre vier besten Freundinnen in ihrem High School Club einen Anime erstellt haben, war für die Gruppe klar: Eines Tages werden sie alle in der Animeindustrie arbeiten und gemeinsam Serien und Filmen erschaffen. Miyamori wird so Produktionsassistentin und hilft bei der Koordination verschiedener Animeprojekte.
In der Serie lernt man viele verschiedene Entwicklungsschritte eines Animes kennen – vom Schreiben des Plots und dem Casting der Synchronsprecher:innen über das Zeichnen und Colorieren einzelner Szenen bis hin zum finalen Check und dem Ausliefern der Folgen. Gerade für Animefans ergibt sich so ein umfassender Einblick in den Produktionsablauf.
Shirobako schafft es die Produktion eines Animes sehr spannend darzustellen. So fiebert man stets mit, wenn Probleme auftreten und hofft darauf, dass die Episoden rechtzeitig fertig werden. Insbesondere Miyamoris Frustration über das Verhalten einiger Kollegen und verpasste Deadlines sind zudem super nachvollziehbar. Ich persönlich mag die Mischung aus Teamwork und Verzweiflung über andere Mitarbeiter, die im Anime dargestellt wird.

In Shirobako sieht man verschiedene Stationen der Anime-Produktion wie beispielsweise die Arbeit der Zeichner.
Weitere Anime mit Bezug zur japanischen Kultur
Neben diesen fünf Anime, gibt es noch viele weitere Serien und Filme, die sich insbesondere mit kulturellen japanischen Themen beschäftigen. Mir persönlichen haben so auch folgende Serien recht gut gefallen:
- Kageki Shojo! zeigt das Leben von Schülerinnen an einer vorbereitenden Schule für eine komplett weibliche Theatergruppe, welche stark an die Takarazuka Revue angelehnt ist. So lernt man viele der Musicals sowie den Aufbau der Truppe kennen.
- Tsurune dreht sich um einen Kyudo Club und damit um traditionelles japanisches Bogenschießen. Der Anime ist von Kyoto Animation und wunderschön anzusehen.
- Those Snow White Notes handelt von einem Shamisen Club und traditioneller japanischer Musik. Der Hauptcharakter muss dabei einige Kindheitstraumata und Probleme mit seiner Mutter aufarbeiten.
- Kabuki-bu! beschäftigt sich mit dem Thema Kabuki und folgt ebenfalls einem Schulclub.
- Dagashi Kashi dreht sich um den Sohn des Besitzers eines traditionellen Süßigkeitenladens. Teilweise erinnert der Anime etwas an eine Werbesendung und stellt viele verschiedene traditionelle japanische Süßigkeiten namens Dagashi vor.
- The Idolm@ster ist ein Idolanime aus Sicht des Produzenten. So erhält man einige Eindrücke in die Idolindustrie – wenn auch wohl sehr geschönt. Für mich persönlich der beste Idolanime.

Nachdem Hanayamata mein Interesse für Yosakoi geweckt hat, musste ich mir die Tänze unbedingt in Echt ansehen.
Fazit
Meine Liebe zu Japan ist ziemlich direkt in Folge meines Interesses für Anime entstanden. So habe ich meine erste Reise hauptsächlich unternommen, weil ich wissen wollte, ob das Land wirklich so ist, wie man es aus Animes kennt. Inzwischen hat sich das Blatt etwas gewendet und ich schaue gerne Anime-Serien, die sich mit speziellen Themen der japanischen Kultur befassen und so mein Verständnis für diese verbessern können.
Inzwischen beeinflussen Anime zudem meine Reiseplanung. So hat mich Chihayafuru dazu inspiriert den Omi Schrein am Biwako zu besuchen und dank Hanayamata habe ich bereits verschiedene Yosakoi Feste besucht.

Einer der zentralen Handlungspunkte in Chihayafuru ist der Omi Schrein am Biwako. Für Chihayafuru Fans definitiv ein lohnenswertes Reiseziel.
Was ist dein liebster Anime zur japanischen Kultur? Erzähl’ mir doch in einem Kommentar davon oder melde dich über Instagram und Twitter..
Was man sonst speziell als Anime-Fan so in Japan erleben kann, habe ich für dich in einem eigenen Artikel zusammengefasst.
Danke für die Liste – da ist einiges für meine Watchlist dazugekommen! Ich hoffe ja insgeheim immer noch auf einen Teezeremonie Anime. Es gibt zwar „Hyouge Mono“, der sich mit dem Thema beschäftigt, aber bisher leider nicht in Deutschland verfügbar.
Freut mich, wenn was für dich dabei war 😀
Irgendwie komisch, dass es keinen Anime zu einem Teezeremonie-Club gibt. Gefühlt gibt es die ja eigentlich zu jedem Thema. Hyouge Mono klingt aber ja mal super interessant mit dem Mix aus historischem Setting und Teezeremonie. Befürchte aber, dass der aufgrund seines Alters wohl nicht mehr bei uns veröffentlicht werden wird 🙁
Hier noch zwei Tipps:
Ms. Koizumi Loves Ramen Noodles. Eine tolle kulinarische Reise rund um alle möglichen Ramen Varianten.
Kono Oto Tomare! Schöne Geschichte um einen japanischen Koto Schulklub auf dem Weg zu den japanischen Meisterschaften.