JLPT – Japanese Language Proficiency Test

Uns persönlich interessiert neben dem Reisen an sich auch die japanische Kultur weswegen wir bereits vor einigen Jahren angefangen haben Japanisch zu lernen. Morgen geht es für uns bereits zum zweiten Mal nach Hamburg zum JLPT Test über den wir dir heute etwas mehr erzählen wollen.

Die japanische Sprache unterscheidet sich sehr stark von westlichen Sprachen wie Englisch und Deutsch. Nicht nur das Schriftsystem ist mit Hiragana, Katakana und Kanji ein komplett Anderes, auch die Grammatik ist sehr verschieden. Falls du dich dennoch daran versuchst die japanische Sprache zu erlernen, gibt es offizielle Zertifikate, um deine Sprachkenntnisse auszuweisen. Der verbreitetste und bekannteste ist dabei der JLPT – Japanese Language Proficiency Test (dt. Japanischer Sprachkompetenz Test).

Poster in der Osaka Metro mit Verhaltensregeln auf Japanisch.

Ohne Japanisch ist das Reisen durch Japan zwar möglich, aber mit Sprachkenntnissen wird es noch besser. Hier einige Poster mit Verhaltensregeln auf Japanisch.

Allgemeines

Der JLPT richtet sich nur aus Ausländer, um ihre Sprachkenntnisse ausweisen zu können. Allerdings basiert er, wie viele Tests in Japan, komplett auf Multiple Choice (dt. Mehrfachauswahl). Du hast also bei jeder Frage 3 oder 4 Antwortmöglichkeiten gegeben und musst die eine Richtige darunter auswählen. Der Test ist komplett auf japanisch, sowohl die Aufgaben als auch die Aufgabenstellungen.

Er wird immer nur an 2 Termine im Jahr angeboten. Zudem findet er auf der ganzen Welt am gleichen Tag statt. Wegen der verschiedenen Zeitzonen natürlich nicht exakt gleichzeitig. Einer der Termine ist im Juli und einer im Dezember. In Deutschland gibt es auch nur 3 Standorte an denen der Test angeboten wird:

  • Düsseldorf (Juli & Dezember)
  • Hamburg (Juli)
  • Stuttgart (Dezember)

Die Anmeldung für den Test musst du einige Monate im voraus einreichen, zusammen mit einer Gebühr von 60€.

Zertifikats-Level

Anders als bei vielen anderen Sprachkompetenztests, musst du dich bereits bei der Anmeldung der Prüfung entscheiden, welches Level du versuchen willst. Die entsprechenden Tests finden außerdem gleichzeitig statt. Dabei gibt es 5 Level zwischen denen du wählen kannst: N5, N4, N3, N2 und N1. Hierbei gilt je niedriger die Zahl, desto schwerer der Test. Das N steht für New (dt. neu), weil es früher nur 4 Level gab – 4, 3, 2, 1. Die alten Level sollen auf dem Niveau von N5, N4, N2 und N1 der neuen Tests gewesen sein – demnach wurde N3 neu eingefügt als intermediate Level zwischen 3 und 2.

Du musst die Tests allerdings nicht in dieser Reihenfolge machen. So kannst du beispielsweise direkt bei N4 oder N3 anfangen und die Vorherigen auslassen. Allerdings gibt es beim Test nur “bestanden” oder “nicht bestanden”. Das heißt, selbst wenn dir für das N3 Zertifikat nur 1 Punkt fehlt, erhältst du dennoch kein N4 Zertifikat!

Welche Kompetenz du für die jeweiligen Level benötigst findest du auf der offizielle Seite des JLPT (leider nur in Englisch). Falls du dir nicht sicher bist, was für ein Level du versuchen solltest, gibt es auch einige Übungsfragen zur Selbsteinstufung.

Was wird getestet im JLPT?

Im JLPT wirst du in 3 Bereiche getestet:

  • Sprachkenntnis (Vokabular, Kanji, Grammatik)
  • Leseverständnis
  • Hörverständnis

Leider gibt es keine offiziellen Listen welche Vokabeln, Kanji und Grammatikformen du für welches Level beherrschen musst. Dennoch sind die Angaben aus Lehrmaterialien und die inoffiziellen Schätzungen ganz gut.

Notwendige Punkte

Jeder der 3 Bereiche wird mit bis zu 60 Punkten bewertet. Ausnahmen sind die Level N5 und N4: Hier werden Sprachkenntnis und Leseverständnis zusammen mit bis zu 120 Punkten bewertet.

Wie viele Punkte du insgesamt zum Bestehen brauchst ist vom Level abhängig:

  • 80 Punkte für N5
  • 90 Punkte für N4
  • 95 Punkte für N3
  • 90 Punkte für N2
  • 100 Punkte für N1

Außerdem muss du in jedem Bereich mindestens 19 Punkte erzielen. Bei N5 und N4 entsprechend 38 für Sprachkenntnis & Leseverständnis.

Punktesystem

Das Punktesystem im JLPT ist etwas anders als in üblichen Tests. Es handelt sich hier um sogenannte Scaled Scores (dt. Skalierte Bewertung). Dabei gibt eine Aufgabe nicht eine feste Anzahl an Punkten bei richtiger Antwort. Stattdessen wird deine Gesamtpunktzahl anhand all deiner gegebenen Antworten in einem Bereich ermittelt. Das ganze System basiert auf der Item Response Theory (dt. Probabilistische Testtheorie).

Zuerst werden zwei Eigenschaften für jede Aufgabe bestimmt: Schwierigkeit und Aussagekraft. Die Schwierigkeit stellt dabei fest wie schwer die Aufgabe für dieses Level war. Die Aussagekraft hingegen sagt etwas über die Verständlichkeit der Frage aus. Je geringer die Aussagekraft, desto weniger wird die Frage gewichtet. Das Bestimmten dieser Eigenschaften geschieht dabei über statistische Auswertung der Antworten aller Teilnehmer.

Im Anschluss wird über stochastische Auswertung deiner Antworten in einem Bereich (richtig oder falsch) ausgewertet, welches Skill-Level zwischen 0 und 60 du am wahrscheinlichsten besitzt. Dieses Skill-Level sind dann deine Punkte für den entsprechenden Bereich.

Durch das besondere Punktesystem ist es nicht möglich auszumachen, welche Fragen besonders wichtig sind. Man kann überlegen, ob es eventuell Sinn macht den Test rückwärts durchzugehen, weil dort vermutlich statistisch die meisten Fehler auftreten. Gleichzeitig ist das Falsch-beantworten von einfachen Fragen entsprechend stark gewichtet, sodass es die Reihenfolge keinen Unterschied macht. Wichtig ist es in jedem Fall alle Fragen zu beantworten, da es keine Unterscheidung zwischen falsch und nicht beantwortet gibt.

Da es im genauen nicht so schnell erklärt ist, habe ich noch einen gesonderten Artikel geschrieben. In dem erkläre ich dir im Detail was es mit der Item Response Theory auf sich hat.

Testdauer

Wie alles andere ist auch die Testdauer abhängig vom Level an dem du dich versuchst. Es sind aber immer mehrere Stunden. Der ganze Test ist in 3 Sektionen geteilt, wobei dazwischen Pausen anstehen, an denen du nochmal durchatmen kannst:

  • Vokabeln & Kanji (Sprachkompetenz)
  • Grammatik (Sprachkompetenz) und Leseverständnis
  • Hörverständnis

Ausnahmen sind die Level N1 und N2, hier sind die ersten beiden Sektionen zusammengelegt. Hintergrund dabei ist, dass man bei den leichteren Leveln zu viele Kanji und Vokabeln aus den anderen Bereichen erschließen könnte.

Die Dauer der einzelnen Sektionen unterscheidet sich auch immer etwas vom Level. Die genauen Zeiten für dein Level kannst du auf der offiziellen Seite finden. Da die Zeit recht begrenzt ist, ist eine gute Zeiteinteilung wichtig. Insbesondere gilt das für das Level N3: Das Leseverständnis wird in der zweiten Sektion mit Grammatik zusammen abgefragt. Während das Leseverständnis alleine mit bis zu 60 Punkten bewertet wird, ist die Grammatik nur ein Teil des Sprachverständnis. Bei N5 und N4 sind die Sektionen zwar gleich aufgeteilt, aber es werden Sprachkompetenz und Leseverständnis auch zusammen gewertet.

Einige Lehrbücher zum Japanischlernen.

Meine Auswahl an Büchern zur Vorbereitung auf den JLPT (v.l.n.r.): 日本語総まとめ (Nihongo soumatome), Try! und 新完全マスター (Shinkanzen Master).

Vorbereitung & Übungsmaterialien

Die möglichen Aufgabentypen sind für jedes Level genau festgelegt. Dementsprechend lohnt es sich, wenn du dir alle möglichen Aufgabenarten vorher anschaust und ausprobierst. Besonders im Grammatikteil gibt es einen Aufgabentyp, der uns erstmal sehr unintuitiv erschien. Dabei sind 4 Wörter gegeben, die du in richtiger Reihenfolge hintereinander in einen Satz einbauen musst. Auswählen musst du dann meist das Wort, welches an die 3. Stelle kommt. Welche Stelle genau ist natürlich gekennzeichnet.

Gerade weil die Aufgabentypen sehr festgelegt sind, gibt es viele Übungsmaterialien, die speziell auf den Test vorbereiten. Hier ist eine kleine Auswahl an möglichen Bücher, die dich beim Lernen für den Test unterstützen können:

  • 新完全マスター (Shinkanzen Master): Ausführliche Erklärungen mit einigen Übungsaufgaben.(eigene Bücher für Vocab, Kanji, Grammar, Reading, Listening für einige Level)
  • 日本語総まとめ (Nihongo soumatome): Kurze Erklärungen und starker Fokus auf Übungsaufgaben(eigene Bücher für Vocab, Kanji, Grammar, Reading, Listening für einige Level)
  • Try!: Pro Lektion ein Text, Grammatik, Erklärungen und ein Übungstest (einzelnes Buch für jedes Level, besonders auf Grammatik ausgelegt)

Außerdem findest du auf der JLPT Seite auch 2 Übungstests für jedes Level. Wir empfehlen dir dabei, diese erst 1~2 Wochen vor den Test zu machen. So hast du schon mal eine grobe Einschätzung und weißt worauf du dich im Endspurt konzentrieren solltest.

Persönliche Meinung

Dadurch, dass der Test rein auf Multiple Choice basiert, glaube ich nicht, dass er das eigene Sprachvermögen wirklich gut widerspiegeln kann. Insbesondere, da es auch keinen Teil gibt, bei dem man selbst Texte schreiben oder Sprechen müsste. Dennoch gibt er einem selbst und natürlich auch Firmen eine grobe Einstufung des Verständnis.

Ich habe derzeit nicht geplant mich bei einer japanischen Firma oder ähnliches zu bewerben und bräuchte dementsprechend das Zertifikat nicht. Durch die Anmeldung am Test kann ich mich aber leichter zum Lernen bewegen. 😉

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