Neujahr und Jahreswechsel in Tokyo

Neujahr ist einer der wichtigsten Feiertage Japans. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es jedoch kein Feuerwerk und nur wenige Partys. Traditionell feiert man mit der Familie und besucht einen Schrein oder Tempel, um für das neue Jahr zu beten. Was genau dich an Silvester und Neujahr in Japan erwartet, erzähle ich dir in diesem Artikel.

Kan’ei-ji Tempel Ueno

Traditionell gehört zum japanischen Neujahr ein Schrein- oder Tempelbesuch um Mitternacht.

Traditionen und Bräuche zum japanischen Neujahr

Ähnlich wie in Deutschland gibt es bereits beim Essen und Fernsehprogramm viele Bräuche. Traditionell isst man ein Gericht namens Osechi-ryōri welches in Boxen serviert wird, die an Bentos erinnern. In jedem Fach der Box befinden sich andere Bestandteile wie Garnelen, Omelett-Rollen und schwarze Sojabohnen. Ebenfalls verbreitet ist eine Suppe mit Mochi namens Zōni und Soba-Nudeln. Im Fernsehen läuft ab etwa 19 Uhr ein beliebtes Programm namens Kōhaku Uta Gassen, bei dem Musiker und Bands in zwei Teams gegeneinander antreten.

Gegen Mitternacht wird es dann religiös, da man sich auf den Weg zum ersten Schrein- oder Tempelbesuch mach. Dort betet man für Glück im nächsten Jahr und erwirbt neue Glücksbringer. An Tempeln wird das neue Jahr dabei mit 108 Glockenschlägen eingeläutet, die die weltlichen Begierden vertreiben sollen.

Die beliebtesten Locations in Tokyo für den Jahreswechsel

Passend zur Tradition sind die beliebtesten Orte in der Nacht des Jahreswechsels Schreine und Tempel. Allen voran stehen dabei der Meji-Schrein in Harajuku und der Sensōji Tempel in Asakusa. In den ersten drei Tagen des neuen Jahres werden diese jeweils von etwa drei Millionen Menschen besucht. Weniger religiös, aber genauso gut besucht ist die Shibuya Kreuzung zu Mitternacht. In westlicher Manier wird dort auf den großen Werbetafeln ein Countdown angezeigt und ins neue Jahr gefeiert.

Foto des Benten Tempels im Ueno Park in der Neujahrsnacht

Der Bentendo war in der Neujahrsnacht gut besucht, aber nicht überfüllt.

Persönlicher Bericht zum Neujahrsfest in Tokyo 2019

Ich selbst war 2019 zum ersten Mal während des Jahreswechsels in Japan und habe dabei einige neue Erlebnisse gemacht. Zunächst sind wir mit eher deutschem Silvesteressen gestartet, da ich kein riesiger Fan von den traditionellen Gerichten bin. Dementsprechend gab es Käsefondue. Neben dem Essen haben wir dann aber zumindest das klassische Neujahrsprogramm Kōhaku Uta Gassen laufen lassen. Da es sich hauptsächlich um Musik handelt, kann man das Programm auch ohne Sprachkenntnisse gut ansehen. Insgesamt erinnert mich die Show mit einer Mischung aus Musik Genres und ausgefallenen Kostümen etwas an den Eurovision Song Contest. Tatsächlich treten sogar einige aus Animes bekannte Gruppen auf – dieses Jahr beispielsweise LiSA mit dem Opening von Kimetsu no Yaiba oder RADWIMPS mit dem Titelsong zu Tenki no Ko. Nach dem Essen ging es noch kurz in die Wanne und gegen 23:20 Uhr haben wir dann den traditionellen Teil gestartet.

Auf der Suche nach kleinen Tempeln und Schreinen

Da ich überhaupt keine Lust hatte den Jahreswechsel in einer Menschenmasse und mit Schlange stehen zu verbringen, haben wir uns auf die Suche nach einem kleineren Tempel oder Schrein gemacht. Zunächst haben wir dabei in den Altstadtbereich Yanaka nahe unserer Unterkunft vorbeigeschaut. Leider war dort keiner der Tempel geöffnet und die Straßen wie ausgestorben. Deswegen haben wir uns entschieden Richtung Ueno Park weiterzulaufen. Auf den Straßen sind uns nach und nach Einheimische begegnet, die ebenfalls unterwegs zu religiösen Stätten zu sein schienen. Kurz vor dem Jahreswechsel konnte man bereits einige Glockenschläge hören. Wir sind dann einfach den anderen Menschen und den Glockenschlägen gefolgt.

Auf diese Weise sind wir kurz vor dem Jahreswechsel am Tempel Kan’ei-ji in der Nähe des Ueno Parks gelandet. Als wir angekommen sind, haben sich die Mönche gerade auf den Weg zur großen Glocke gemacht. Dort wurden noch einige Gebetsgesänge angestimmt und schließlich pünktlich um Mitternacht das neue Jahr eingeläutet. Nachdem die Mönche fertig waren, durften auch die Besucher läuten, wobei man sich dafür bereits im Vorfeld eine Nummer holen musste. Wir haben uns dann direkt noch an einer kurzen Schlange angestellt, um an den Gebeten teilzunehmen.

Foto des Glockenläutens

Bereits einige Minuten vor Mitternacht wurde von den Mönchen ein Gebet an der großen Glocke gesprochen. Pünktlich um 12 Uhr haben sie begonnen, die Glocke zu läuten.

Schreine und Tempel im Ueno Park

Obwohl wir zu dem Zeitpunkt fast erfroren waren, haben wir uns entschieden noch etwas weiter durch die Stadt zu spazieren, um weitere Eindrücke zu sammeln. Glücklicherweise bieten die omnipräsenten Getränkeautomaten im Winter warme Getränke an, so dass wir uns unterwegs etwas aufwärmen konnten. Im Ueno Park angekommen hat man am Fountain Square bereits aus allen Richtungen Glockenschläge gehört.

Tatsächlich war an den meisten Schreinen und Tempel im Park etwas los. Voll erschien es mir trotzdem nicht, da sich die Menschen gut zwischen den religiösen Stätten aufgeteilt haben. Am Hanazono Inari-jinja nahe dem Shinobazu Teich wurde zur Feier des neuen Jahres ein Feuer entzündet und gab es eine lange Schlange für das Gebet. Das Feuer hat dabei ziemlich starken Rauch verursacht, weswegen wir den Schrein nicht weiter erforscht haben. Am Bentendo befinden sich immer einige Essensstände, von denen einige in der Nacht geöffnet waren.

Freudenfeuer an einem Schrein in Ueno zu Neujahr

Der Hanazono Inari Schrein im Ueno Park hatte ein Freudenfeuer mit starkem Rauch aufgebaut.

Zum Abschluss Richtung Akihabara

Als Anime-Fan hatte ich an dieser Stelle die Idee noch etwas weiter zu laufen, um den bei Animefans beliebten Kanda Schrein in Akihabara zu besuchen. Auffällig war zunächst, dass uns ab dem Verlassen des Ueno Parks mehr und mehr Betrunkene begegnet sind. In Akihabara selbst war das Bild dann etwas diverser und es haben sich Otaku und Ausländer in die Menge gemischt. Auf der Straße zum Schrein war zudem eine große Ansammlung an Autos mit Anime-Verzierungen namens Itasha zu sehen. Am Schrein angekommen standen wir vor einer riesigen Schlange, die sich unter Aufsicht der Polizei bis auf die Straße fortsetzte. Anstatt uns anzustellen haben wir uns einen Becher des typischen Neujahrsgetränks Amazake gekauft und uns auf den Rückweg gemacht. Glücklicherweise fahren einige der Zuglinien an Neujahr die ganze Nacht lang, weswegen wir bis zur Nippori Station zurückfahren konnten.

Kanda Schrein in der Neujahrsnacht mit vielen Besuchern

Der Kanda Schrein war uns in der Neujahrsnacht eindeutig zu voll für ein Gebet.

Fazit

Ich persönlich hatte viel Spaß mit dem ruhigeren Neujahrsfest in Japan. Nachdem ich die Menschenmenge am Kanda Schrein gesehen habe, bin ich zudem fest überzeugt, dass ein kleiner Schrein für mich die richtige Wahl zum Einläuten des neuen Jahres war. Lediglich auf den Amazake am Schluss hätte ich verzichten können, da er nicht wirklich meinen Geschmack getroffen hat.

Hättest du Lust einmal in Japan Neujahr zu feiern oder willst du nicht aufs Feuerwerk und knallen verzichten? Erzähl’ es uns in den Kommentaren.

Falls du dich auch für andere Feiertage in Japan interessiert, haben wir einen Artikel zu Weihnachtsmärkten in Japan für dich.

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