Akihabara – Paradies für Otaku

Ehemals das Zentrum des Elektrohandels, inzwischen Hochburg des Otakutums – Akihabara ist für meisten Fans der japanischen Popkultur ein fester Begriff. Während Akihabara für Merchandise-Jäger somit ein Pflichtbesuch auf der Reise sein sollte, ist der gebündelte Anblick von Game Arcade Centern, Maid Cafes und riesigen Animewerbebannern sicher auch für weniger geekige Reisende von Interesse.

Einkaufsstraße in Akihabara

Akihabara – die Elektric Town

Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Akihabara den Spitznamen ‘Electric Town’, da sich rund um den Bahnhof viele Elektronikgeschäfte niedergelassen haben. Obwohl Akihabara inzwischen eher im Zusammenhang mit der japanischen Popkultur genannt wird, befinden sich dort weiterhin viele interessante Elektronikgeschäfte. Das Größte davon ist Yodobashi-Akiba, welches sich am Ostausgang des Bahnhofes befindet und auf sechs geräumigen Etagen ein umfassendes Angebot an allen erdenklichen Elektronikprodukten bietet. Neben Smartphones, Laptops und Haushaltsgeräten kann man im Erdgeschoss eine große Auswahl von TravelSIMs erwerben. Auf der obersten Etage werden zudem neben Videospielen auch normale Spielzeuge sowie Figuren und Modellbau-Utensilien angeboten.

Falls ihr lieber stöbern wollt, empfiehlt es sich die kleineren Läden der westlichen Seitenstraßen zu durchstreifen, in denen es allerhand elektronische Spielereien zu entdecken gibt. Gerade auf der Suche nach Kleinkram können diese Geschäfte überzeugen und bieten meist zu günstigen Konditionen Kabel, Adapter und weiteres Zubehör.

Foto des Elektronikgeschäfts Yodobashi Akiba

Zentrum der japanischen Popkultur

Obwohl die Electric Town somit weiterhin existiert, ist Akihabara inzwischen hauptsächlich als Paradies für Otaku bekannt. Bereits innerhalb des Bahnhofes werden euch viele Werbebanner und -plakate für aktuelle Anime und Handygames begegnen. Bereits der pure Spaziergang durch Akihabara ist eine Erfahrung, die man so in Deutschland wohl nicht machen wird. Falls ihr jedoch auf der Suche nach Merchandise zu euren Lieblingsserien seid, gibt es umso mehr zu entdecken.
So lustig das Shopping in Akihabara auch ist, achtet unbedingt auf die Preise! Durch den Bekanntheitsgrad von Akihabara gibt es leider häufig überteuerte Angebote. Besonders Figuren, die in einzelnen Glaskästen ausgestellt werden, werden häufig deutlich über ihrem üblichen Wert angeboten. Falls es etwas gibt, was ihr wirklich möchtet, solltet ihr euch vorher online über den üblichen Preis informieren.

Merchandise Hunting in Akihabara 

Besonders viel Aufmerksamkeit bekommen in Akihabara Anime Figuren. Diese gibt es in verschiedenen Preisklassen, zudem müsst ihr euch entscheiden ob ihr Neuware kaufen möchtet. Ich persönlich empfehle euch für Anime-Figuren die beiden Amiami Standorte sowie für Second Hand Produkte Mandarake, was etwas weiter vom Bahnhof entfernt gelegen ist. Falls ihr eher nach kleinem Merchandise, wie Schlüsselanhänger und Clear-Files zu aktuellen Serien sucht oder Manga kaufen möchtet, ist auch Animate ein Besuch wert. In Akihabara gibt es dabei ein zwei Animate-Standorte. Das auf männliche Kundschaft ausgerichtet Animate verkauft und unter anderem Idol Produkte, während Animate Girls Site Produkte zu Shounen und Bishōnen Serien im Angebot hat. Falls ihr an letzteren interessiert seid empfiehlt sich auch der Besuch von Ikebukuro.

Weiterhin könnt ihr das Gundam Cafe oder den AKB 48 Shop am Bahnhof besuchen, bei Cospa Cosplaykleidung oder Animeshirts kaufen, sowie in einem LAWSON im Dragon Quest Stil neben typischen Konbini-Produkten auch Dragon Quest Merchandise erwerben. Am südlichen Electric Town Ausgang des JR Bahnhofes befindet sich zudem das unter anderem aus Steins;Gate bekannte Radio Kaikan Gebäude. Das inzwischen komplett umgebaute Gebäude beherbergt auf sieben Etagen allerhand Otaku Geschäfte. Eine große Anzahl weiterer Geschäfte findet ihr auch in dem Akiba Cultures Zones Gebäude. Neben einer Niederlassung des Merchandise Ladens Lashinbang beherbergt dieses auch das GoodSmile x animate Cafe Akihabara beherbergt.

Selbst wenn ihr all diese Orte besucht habt, habt ihr noch lange nicht alle Shoppingmöglichkeiten in Akihabara ausgeschöpft. Es lohnt sich mutig zu sein und stets auch die oberen Etagen der Gebäude zu durchstreifen. Beachtet jedoch, dass die oberen Stockwerke häufig erotische Inhalte anbieten, die vielleicht nicht für jeden Besucher geeignet sind. Die ‘ab-18’-Bereiche sind zwar extra ausgeschildert, durch die viele bunte Werbung können die Schilder von ungeübten Japan-Touristen trotzdem schnell übersehen werden.

Fot des Lawson im Dragon Quest Stil.

Einkaufen abseits von Anime und Manga

Falls ihr nicht an Merchandise interessiert seid, gibt es in Akihabara natürlich auch gewöhnliche Shopping-Möglichkeiten. Am Bahnhof gelegen befindet sich das Einkaufszentrum Atre, welches sogar über einen direkten Zugang zum Bahnhof verfügt. Innerhalb des Einkaufszentrums befinden sich viele normalere Geschäfte wie UNIQLO, Tokyu Hands und eine Buchhandlung. Wie in vielen anderen Kaufhäusern befindet sich zudem im untersten Stock ein Bereich, in dem verschiedene Lebensmittel und Bento verkauft werden.

Falls ihr doch lieber einen verrückten, aber weniger Otaku-lastigen Shoppingstopp machen möchtet, empfiehlt sich das Don Quijote in Akihabara. Dort findet ihr eine große Produktauswahl von Lebensmitteln über Schreibwaren und Kosmetik bis hin zu Verkleidungen. In allen Kategorien sind ebenfalls Merkwürdigkeiten wie Pokemon Gesichtsmasken, Zombie-Ramen oder hightech Hello Kitty Klodeckel zu finden sind. Falls ihr nach gebrauchten Produkten der Bereiche Gaming, Film, Musik, Buch und Manga sucht, ist Book-off einen Zwischenstopp wert.

Erwähnenswert sind zudem die Erotikshops in Akihabara, welche eine große Produktauswahl bieten und sich stark von ihren deutschen Verwandten unterscheiden. Auch hier ist vieles knallig verpackt und mit Animemotiven versehen. Manche Bereiche dieser Geschäfte sind nur für je ein Geschlecht freigegeben, achtet also auf die Beschilderung.

Foto der Akiba Culture Zone

Zeit für eine Stärkung

Da die Gegend um den Bahnhof in Akihabara stark besucht ist, befinden sich dort viele Restaurants und bekannte Franchises wie Coco Curry oder MOS Burger. Gerade letztere verfügen meistens über englische Speisekarten und sind gut für Ausländer geeignet. Mein Lieblingsrestaurant in Akihabara ist ein Ramenladen der Kette Ikkakuya, die Ramen der Art Yokohama Iekei anbietet.
Falls ihr lieber Dessert möchtet, findet man vor Yodobashi Akiba eine Reihe von Ständen, die süßes Gebäck und Törtchen anbieten. Mein persönlicher Favorit für Nachtisch ist jedoch Pablo. Dieser kleine Laden befindet sich neben dem Radio Kaikan Building und gehört einer Kette an, die auf Käsekuchen spezialisiert ist. Ich empfehle dabei besonders das Käsekuchen-Softeis!

Maid, Cosplay oder Anime Thema? – Besondere Cafes in Akihabara 

Falls ihr Lust auf einen ausgefalleneren Restaurantbesuch habt, könntet ihr ein Maid oder Cosplay Cafe besuchen. In diesen Cafes wird man meistens von jungen Frauen in thematischer Kleidung bedient und das Menü ist auf den Stil des Cafes angepasst. Während man tagsüber zwar Außenwerbung für verschiedene Cafes sieht, wird den meisten Besuchern das tatsächliche Ausmaß der Themen Cafes erst abends klar. Wenn ihr nach Sonnenuntergang durch Akihabara zieht, werdet ihr viele Frauen bemerken, die mit ihrem Arbeitsoutfits und Plakaten Werbung für ihr jeweiliges Cafe machen. Die meisten Cafes nehmen eine Tischgebühr pro Person, die jeweils für eine festgelegte Zeit das Verweilen in dem Cafe erlaubt. Zusätzlich muss für gewöhnlich mindestens ein Getränk pro Person bestellt werden. Falls ihr Interesse am Besuch eines Cafes habt, empfiehlt es sich, sich vorher über die Kosten zu informieren. Aufgrund der großen Menge an ausländischen Besuchern gibt es bereits viele englischsprachige Maidcafes.

Zusätzlich gibt es in Akihabara Themencafes, wie das Square Enix Cafe neben Yodobashi Akiba, welches von Videospielen inspiriertes Essen und Getränke anbietet. Das Cafe verfügt über einen Take-out Schalter, der je nach Saison verschiedene süße Getränke anbietet. Für Sitzplätze kann basierend auf nach Nachfrage und Tageszeit kann jedoch Reservierung nötig sein. Ebenfalls müssen viele zeitlich limitierte Anime Cafes wie das Good Smile Animate Cafe im Akiba Jungle Gebäude häufig vorher reserviert werden. Falls ihr spontan ein Cafe besuchen möchtet, schadet es für gewöhnlich nicht vor Ort nachzufragen, ob Plätze frei sind. Alternativ laufen die Reservierungen von vielen Cafes über ihre Webseiten, welche leider häufig nur auf Japanisch sind.

Foto von Akihabara Station

Gaming und Glücksspiel

Neben Shopping und Essen bietet Akihabara verschiedene Optionen zum Zeitvertreib. Direkt an den Hauptstraßen in Akihabara befinden sich verschiedene Game Center. Der allgemeine Aufbau ist ähnlich wie in anderen Stadtteilen. In den unteren Etagen befinden sich meist Greifarmautomaten und ähnliche Gewinnspiele, während in oberen Stockwerken Videospiele und Fotoautomaten vertreten sind. Die Spielautomaten auf den oberen Etagen bieten eine große Auswahl von Shootern über Beat ‘em ups bis zu Rhythmus Spielen. In Akihabara konzentrieren sich die Preise der Gewinnspiele meist auf Otaku und bieten daher meist Buttons, Anhänger und Animefiguren. Wenn ihr nicht an dem Spielerlebnis an sich interessiert seid, könnte es sich lohnen die Preise als Second Hand Produkte zu kaufen.

Falls ihr im Gegenteil gerade das Glücksspiel mögt, befinden sich in Akihabara viele Pachinko Läden. Pachinko ist ein typisches japanisches Glücksspiel, bei dem man Kugeln an einem Automaten gewinnen und gegen Preise eintauschen kann. Gerade in Akihabara sind viele Spielautomaten mit Animemotiven verziert und spielen teilweise Animeclips ab. Leider sind Pachinko Hallen sehr laut und häufig voller Raucher, weswegen sie sich nicht für jeden eignen.

Eine schnelle Alternative mit garantiertem Gewinn bieten Ichiban Kuji Lotterien und Gachapon Automaten. Ichiban Kuji findet ihr häufig in Konbinis, Game Centern und Merchandise Läden. Bei dieser Lotterie gibt es eine feste Anzahl an Preisen und für jeden Preis genau ein Los, sodass ihr immer einen der Preise bekommt. Natürlich gibt es meistens viele günstige Preise wie Schlüsselanhänger und nur einen Hauptgewinn. Die noch vorhandenen Preise werden gewöhnlich auf einem Plakat markiert, so dass ihr die Gewinnchance berechnen könnt. Viele Ichiban Kuji haben zudem einen Sonderpreis für den Käufer des letzten Loses. Gachapon Automaten finden sich überall in Tokyo, aber in Akihabara gibt es besonders viele. Nach dem Einwurf von einigen 100 Yen Münzen erhaltet ihr aus dem Automaten zufällig eines der angezeigten Produkte.

Der Kanda Schrein in Akihabara.

Kultureller Zwischenstopp

Falls ihr nach all dem noch Lust auf einen Mix aus Kultur und Otakutum habt, ist der Kanda Schrein einen Besuch wert. Dieser ist westlich vom Bahnhof Akihabara gelegen und leicht zu Fuß zu erreichen. In dem Schrein werden zwei der Glücksgötter sowie ein ehemaliger Rebell verehrt, was in der Vergangenheit häufiger den Unmut der Regierung erregte. Heutzutage ist der Schrein aufgrund seiner Lage und seiner Darstellung in Animes wie LoveLive! besonders bei Anime-Fans beliebt. In LoveLive! arbeitet einer der Charaktere im Kanda Schrein als Miko und wurde später sogar in der echten Welt als Repräsentantin des Schreins ausgewählt. Daraufhin wurden unter anderem Poster von ihr aufgehangen und Gebetstafeln mit ihrem Motiv im Schrein verkauft. Als ich 2015 das erste Mal den Schrein besuchte, fand ein Getränkeverkauf mit LoveLive! Thema auf dem Gelände statt. Bereits früher ist der Schrein für die – von Besuchern mit Animemotiven verzierten – Gebetstafeln bekannt gewesen.

Persönliche Meinung

Wahrscheinlich ist das inzwischen klar geworden, aber ich liebe Akihabara! Ja, es gibt viele Touristen und andernorts findet man meist günstigere Angebote, aber solch eine Sammlung an Otaku-tauglichen Shops und Cafés findet man wohl nirgends sonst. Wenn ich Tōkyō besuche, steht Akihabara so immer bereits in den ersten Tagen auf dem Plan. Einfach nur durch die Straßen zu schlendern und zu sehen was in Japan gerade so beliebt ist, macht mir bereits riesigen Spaß.

Insgesamt kann man in Akihabara viel Spaß haben, wenn man zumindest etwas Interesse an der japanischen Popkultur oder technischen Spielereien hat. Aufgrund des Mangels an traditionellen Sehenswürdigkeiten ist der Besuch ohne dieses Interesse wahrscheinlich eher befremdlich. In der untenstehenden Karte haben wir für euch die genannten Geschäfte und Locations markiert.

Falls du mehr über die geekigere Seite Japans wissen möchtest, haben wir noch einen Artikel zum Otaku-Shopping und einen Bericht zu Game Centern für dich.

Viel Spaß in Akihabara!

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