10 Jahre Japanisch – Zusammenfassung meiner Lernbemühungen

Die Zeit vergeht wie im Flug und plötzlich habe ich festgestellt, dass ich nun bereits seit 10 Jahren Japanisch lerne. In dieser Zeit habe ich verschiedenste Lehrbücher und japanische Medien ausprobiert, sowie Kurse besucht und Sprachpartnerschaften geschlossen. In diesem Artikel möchte ich meinen Weg zum Japanisch Lernen aufzeigen und am Ende ein Fazit dazu ziehen, was mir beim Lernen am meisten geholfen hat.

Das Wort Ramen in den verschiedenen japanischen Schriftsystemen

Zu Beginn meiner Sprachreise stand das Erlenen der Hiragana im Vordergrund. Die Katakana folgten etwas später und die Kanji werde ich wohl mein Leben lang lernen und wiederholen müssen.

Die Anfänge mit Sprachkursen

Insbesondere meine Teilnahme an einem Jugendaustausch im Jahr 2007 hat in mir den Wunsch geweckt, die japanische Sprache zu lernen. Dementsprechend habe ich schon in der Schulzeit ein paar Mal angefangen Japanisch zu lernen. Am Ende habe ich jedoch stets nach einigen Monaten aufgegeben, da ich mich allein nicht genug motivieren konnte.

Erst Jahre später habe ich mich endlich für einen Sprachkurs angemeldet. Dieser wurde vom Sprachenzentrum meiner Universität angeboten und hat mir über 2,5 Jahre hinweg die Grundlagen der japanischen Sprache vermittelt. Inhaltlich haben sich die ersten Kurse stark darauf konzentriert, dass die Hiragana fest sitzen. So gab es jede Unterrichtseinheit einige Schreib- und Leseübungen. Neben den Hiragana-Übungen haben wir in jeder Stunde einige Sprechübungen zu neuen Grammatikformen gemacht. Meiner Motivation hat die Regelmäßigkeit der Kurse sehr gutgetan.

Im Kurs haben wir das Lehrbuch Japanisch für Schüler verwendet, welches früh auf Romaji verzichtet und mir persönlich sehr gut gefallen hat. Leider ist es recht unbekannt und im Internet kaum zu finden. Neben den Sprachkursen habe ich angefangen Kinderbücher und andere Geschichten in Kana zu lesen sowie ab und zu bei NHK Web Easy vorbeizuschauen. Zusätzlich habe ich leichte Animeserien für Kinder wie Pokémon oder Anpanman angesehen.

Screenshot der Webseite NHK Web Easy

Die Nachrichtenseite NHK Web Easy ist eine hervorragende Ressource für Japanischlernende mit vielen Funktionen: (1) Video der originalen News, (2) Maschinelles Vorlesen des Textes, (3) Furigana ein-/ ausschalten, (4) Nachrichtentext in vereinfachter Sprache

Sprachpartnerin für aktive Fähigkeiten

Nachdem ich alle Kurse abgeschlossen hatte, habe ich durch viel Glück und über andere ausländische Freunde eine japanisch Sprachpartnerin gefunden. Mit ihr habe ich total viel gelernt, nicht nur über die Sprache, sondern auch über die Kultur Japans. Wir haben uns einmal wöchentlich für je 2 bis 3 Stunden getroffen und abwechselnd Deutsch und Japanisch gesprochen. Zu Beginn haben wir dabei teilweise im Voraus vereinbart über welche Themen wir reden wollen, damit wir ein paar Vokabeln lernen konnten.

Neben Gesprächen zum Verbessern unserer Sprachfertigkeiten, haben wir uns regelmäßig beim Lernen unterstützt. So haben wir gegenseitig geschriebene Texte verbessert, Aufgaben korrigiert und Grammatikformen erklärt. Zusätzlich war es immer eine große Hilfe, Fragen stellen zu können, wenn ich beispielsweise einzelne Panel in einem Manga nicht verstehen konnte.

Fotos von Büchern aus verschiedenen Reihen für jüngere Leser.

Einer der wichtigsten Punkte für mich war immer das Lesen – von den Anfängen mit Kinderbüchern über Manga bis hin zu Light Novels. An richtige Romane habe ich mich bisher noch nicht getraut.

Praktikum in Tōkyō

Im Jahr 2015 habe ich endlich einen Praktikumsplatz in Japan bekommen. Dieser wurde über eine Partnerschaft meiner Universität und einem japanischen Forschungsinstitut vergeben und hat es mir ermöglicht 6 Monate in Tōkyō zu verbringen. Da es sich um ein Praktikum in der Forschung handelte, war das Umfeld sehr international und auf der Arbeit wurde kein Japanisch benötigt. Daher habe ich mich auch in Tōkyō wieder um eine Sprachpartnerschaft bemüht und Dank der Japanisch-Deutschen-Gesellschaft recht schnell jemanden gefunden.

Während meiner Zeit in Tōkyō habe ich super viel gelernt. Besonders Vokabeln und Kanji konnte ich mir viel einfacher merken, da ich ja tagtäglich mit diesen konfrontiert wurde. Zusätzlich war die Verfügbarkeit von japanischen Lernmaterialien eine super Hilfe. Ich habe so häufig einfach nach der Arbeit einen Buchhandel besucht und durch die verschiedenen Lehrwerke geblättert. Genauso habe ich regelmäßig bei Book-off vorbeigeschaut, um mich mit gebrauchten Manga zu versorgen.

So bin ich zwar viel mit der Sprache in Berührung gewesen, habe allerdings kaum in Lehrbüchern gelernt. Als Tipp einer Arbeitskollegin habe ich zumindest angefangen das Tool Anki zu nutzen, welches mich bis heute täglich begleitet.

Blick auf den Kabukicho Bereich Shinjukus.

Webetafeln, Durchsagen im Zug, Produktlabel beim Einkaufen- In Japan selbst ist man ständig mit der Sprache konfrontiert, was beim Lernen unglaublich hilft.

JLPT Tests zur Motivationssteigerung

Nach dem Praktikum habe ich mich zwar wieder mit meiner ursprünglichen Sprachpartnerin getroffen, das formelle Lernen aber weiterhin schleifen lassen. Ein Jahr später im Japanurlaub fiel so auf, wieviel ich ohne die konstante Konfrontation mit Japanisch wieder vergessen hatte. Nach dem Urlaub habe ich daher mit dem Lehrbuch Tobira angefangen und verstärkt Manga gelesen.

Im Jahr 2017 ist meine Sprachpartnerin schließlich nach Japan zurückgekehrt und mir war klar, dass ich ein festes Ziel brauche, damit ich ohne die festen wöchentlichen Treffen Japanisch nicht komplett vergesse. So habe ich es mir in den Kopf gesetzt, die JLPT Prüfungen zu bestehen. Seitdem nutze ich Insbesondere die Lehrbuch-Reihen Sou Matome, Try! Und Shinkansen. Da es sich zu zweit immer besser lernt, habe ich noch Moritz davon überzeugt sich den JLPT als Ziel zu setzen.

Einige Lehrbücher zum Japanischlernen für den JLPT.

Aktuell lerne ich besonders für den JLPT und verwende spezielle Lehrbücher für die Testvorbereitung.

Mein aktueller Stand

Inzwischen habe ich den N3 und N2 bestanden und bereite mich auf den JLPT N1 vor, an dem ich mich gerne nächsten Sommer versuchen würde. Zusätzlich mache ich weiterhin bei Anki meine täglichen Vokabeln und lese jeden Abend etwas in japanischen Light Novels. Weiterhin schaue ich gelegentlich Animeserien ohne oder mit japanischen Untertiteln. Da bei N1 auch die formale Sprache sehr wichtig ist, versuche ich regelmäßig japanische Nachrichtenseiten zu lesen, leider fehlt mir da aber teilweise das Interesse.

Screenshots aus der App AnkiDroid

Bei der Anki handelt es sich um ein Lerntool nach Karteikarten-Prinzip. Ich finde Anki super praktisch und hätte schon viel früher damit anfangen sollen.

Fazit – Was würde ich anders machen?

Gerade wenn ich bedenke, dass ich jetzt schon 10 Jahre Japanisch lerne, erscheint mir mein Sprachniveau zu gering. Wenn ich nochmal von vorne anfangen könnte, würde ich direkt von Beginn an Anki nutzen und mir immer konkrete Ziele und Lernzeiten setzen. Dazu gehören für mich inzwischen auch feste Lesezeiten, da ich es unverzichtbar finde sich mit echten Texten auseinander zu setzen.

Andererseits bin ich sehr zufrieden mit meiner Entscheidung einen Sprachkurs zu besuchen und meine Sprachpartnerinnen waren mit das beste was mir passieren konnte. Ohne die Beiden hätte ich nie so viel über die tatsächlich genutzte Sprache sowie den japanischen Alltag gelernt.

Wie weit bist du aktuell mit dem Japanisch Lernen und was hättest du gerne besser gemacht?

Falls du auch gerne mehr lesen würdest, haben wir Leseempfehlungen für verschiedenen Sprachniveaus für dich zusammengestellt.

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